Im Oktober war ich im Harz unterwegs, an einem klaren, sonnigen Wochenende. Zwei Gipfel standen auf dem Plan, zuerst der Wurmberg, danach der Brocken. Der höchste Punkt Niedersachsens wirkt auf den ersten Blick weniger spektakulär als sein berühmter Nachbar, und doch hinterlässt er einen eigenen Eindruck.
Mit 971 Metern ist der Wurmberg die höchste Erhebung Niedersachsens. Er liegt nahe Braunlage im Oberharz und ist gut erreichbar. Wer jedoch erwartet, hier nur einen typischen Mittelgebirgsgipfel zu finden, wird überrascht sein. Die Landschaft erzählt eine andere Geschichte.
Wo liegt der Wurmberg?
Der Wurmberg befindet sich im Harz, unweit von Braunlage und nur wenige Kilometer von der Grenze zu Sachsen-Anhalt entfernt. Mit 971,2 Metern über dem Meeresspiegel ist er offiziell der höchste Punkt Niedersachsens.
Er liegt im Naturpark Harz und grenzt direkt an den Nationalpark Harz. Durch seine Lage ist er sowohl bei Wanderern als auch bei Wintersportlern beliebt. Seilbahn, Skipisten und Gastronomie machen ihn deutlich zugänglicher als viele andere höchste Punkte der Bundesländer.
Wie anspruchsvoll ist die Wanderung?
Die Wanderung auf den Wurmberg ist technisch nicht schwierig, erfordert aber Kondition. Je nach gewählter Route sind rund 400 bis 500 Höhenmeter zu überwinden.
Der Aufstieg über die Warmen Bode und die Bodefälle ist abwechslungsreich, mit Waldpassagen, schmaleren Wegen und stetigem Anstieg. Bei Nässe können die steinigen Abschnitte rutschig sein. Wer trittsicher ist und eine solide Grundkondition mitbringt, wird die Tour gut bewältigen.
Route und Wegbeschreibung
Ein guter Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Parkplatz an der Seilbahn-Talstation in Braunlage. Von dort führt der Weg zunächst entlang der Warmen Bode, vorbei an den Unteren und Oberen Bodefällen. Dieser Abschnitt ist besonders abwechslungsreich, da der Pfad immer wieder die Flussseite wechselt und sich durch dichten Wald schlängelt.
Nach der Bärenbrücke beginnt der eigentliche Anstieg. Über den Sögdingsweg geht es stetig bergauf in Richtung Gipfel. Der Weg ist gut begehbar, aber teilweise steinig und wurzelig. Mit zunehmender Höhe öffnen sich die Waldflächen, und der Blick fällt auf die vom Borkenkäfer geprägten Hänge des Oberharzes.
Am Gipfel angekommen, erreicht man zunächst den Speichersee und die Berg-Erlebniswelt. Der Wurmbergturm bietet bei klarem Wetter eine weite Aussicht über den Harz bis hinüber zum Brocken. Der höchste Punkt selbst liegt in unmittelbarer Nähe des Turms und ist unspektakulär markiert.
Der Rückweg kann über den Grenzweg erfolgen, der durch lichte Waldflächen führt. Besonders im Bereich des Sandbrink wird deutlich, wie stark der Harz in den vergangenen Jahren vom Borkenkäfer verändert wurde. Schließlich gelangt man über Waldwege zurück nach Braunlage.
Was den Wurmberg besonders macht
Der Wurmberg ist kein stiller, versteckter Gipfel. Seilbahn, Gastronomie und Wintersportanlagen verleihen ihm eine gewisse Betriebsamkeit. Gerade im Vergleich zu anderen höchsten Punkten der Bundesländer wirkt er zugänglicher und touristischer.
Gleichzeitig ist er ein eindrückliches Beispiel für den Wandel im Harz. Große Waldflächen sind abgestorben oder gerodet worden. Was zunächst karg wirkt, eröffnet neue Perspektiven. Weite Ausblicke entstehen dort, wo früher dichter Fichtenwald stand. Die Landschaft wirkt offener, rauer und in Teilen fast skandinavisch.
Diese Mischung aus touristischer Infrastruktur und sichtbarem Naturwandel verleiht dem Wurmberg eine besondere Spannung. Er steht zwischen Erholung, Eingriff und Neubeginn.
Lohnt sich die Wanderung?
Wer eine ruhige, abgeschiedene Gipfelerfahrung sucht, wird am Wurmberg nicht vollständig fündig. Dafür ist er zu gut erschlossen. Wer jedoch die Vielfalt des Harzes erleben möchte, findet hier eine abwechslungsreiche Tour mit Wasserfällen, Waldwegen und weiten Hochlagen.
Gerade in Kombination mit dem Brocken zeigt sich, wie unterschiedlich zwei benachbarte Gipfel wirken können. Der Wurmberg ist weniger mythenumwoben, dafür greifbarer und zugänglicher.
Teil eines größeren Projekts
Der Wurmberg war für mich nicht einfach nur eine weitere Wanderung im Harz. Er war Teil eines größeren Vorhabens, bei dem ich die jeweils höchsten Punkte aller 16 Bundesländer besucht habe. Erst durch diesen Vergleich wurde deutlich, wie unterschiedlich „höchster Punkt“ in Deutschland aussehen kann.
Vom unscheinbaren Stadtparkhügel bis zum hochalpinen Anstieg reicht die Spannweite. Der Wurmberg steht in dieser Reihe für Wandel, Zugänglichkeit und die sichtbare Veränderung einer Landschaft.
Wer sich für die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Charaktere der höchsten Punkte der Bundesländer interessiert, findet hier einen Überblick über das gesamte Projekt.
Zum Projekt ist ein Wanderführer entstanden
Aus den 16 Touren ist ein kompakter Wanderführer mit Routen, Einordnung und zusätzlichen Hintergrundinformationen entstanden.
